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betreut durch John Webb (L/WP), Axel Culmsee (CSW)

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Auf dem Weg in den verborgenen Arbeitsmarkt


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John Carl Webb vermittelt ungewöhnliche Ansätze für die Jobsuche

Den Amerikanern wird nachgesagt, mit Problemen und neuen Situationen besonders pragmatisch umzugehen. Wer sich mit John Carl Webb unterhält, kann sich gut vorstellen, wie ein solches Bild zustande gekommen ist. Der 46jährige Mann aus Chicago, der mit einer "sehr deutschen Ehefrau und drei bisschen deutschen Kindern" in Münster lebt, bringt die Dinge auf wunderbar angenehme und oft humorvolle Weise auf den Punkt. Die Mischung aus Lockerheit, scharfsinniger Analyse und praktischem Handeln ist es auch, worauf es ihm in seinen Seminaren ankommt: Der studierte Lehrer zeigt ungewöhnliche Wege in den verborgenen Arbeitsmarkt auf.

"Es geht um die Stellensuche, und die ist radikal anders als jene, die hierzulande üblich ist. Schriftliche Bewerbungen, Ausschreiben oder Zeitungsanzeigen spielen dabei keine Rolle", umreißt Webb den Ansatz der Methode, die auf das Modell des US-Arbeitswissenschaftlers Richard Bolles zurückgeht. 

"Nur wer sagen kann, was er will, hat eine Chance, es zu bekommen- auch im Beruf", lautet die Leitlinie, nach der die Kurse konzipiert sind. Alle Teilnehmer, so Webb, entwickelten im Verlauf des Seminars eine persönliche Vision davon, wo sie oder er in fünf bis zehn Jahren beruflich stehen wolle. 

Die Seminare sind in drei Phasen aufgeteilt: In Phase eins, so Webb, gehe es darum, sich zunächst einmal mit der eigenen Persönlichkeit auseinanderzusetzen. "Die Teilnehmer gehen der Frage nach, welche Fähigkeiten sie in der Ausbildung oder im Alltag besonders ausgebildet haben. Sie werden sich darüber klar was sie besonders gut können und was sie im Beruf ausfüllen könnte." Gerade diesen Punkt würden Berufsein- und -umsteiger häufig vernachlässigen und sich vorschnell auf bestimmte Berufswünsche versteifen. "Wenn es gelingt, nicht alles sofort mit einem Etikett zu versehen, entdecken viele berufliche Entwicklungsmöglichkeiten, an die sie zuvor nie gedacht haben."

Der Frage nach dem "Was" folgt die Frage nach dem "Wo", nämlich wo sich die benannten Fähigkeiten am besten einsetzen lassen. Mit dem entsprechenden Gespür ausgestattet, für wen man ein unentbehrlicher Mitarbeiter werden könnte, gehe es nahtlos in die dritte Phase des Seminars über: dabei trainierten alle Teilnehmer, wie sie die Berufsvorstellung in die Praxis umsetzen könnten. "Der fünfte Tag ist der Ausgehtag, bei dem die Teilnehmer mit sechs Teilnehmern reden, ohne zuvor einen Termin vereinbart zu haben", erklärt Webb.

In den ersten Kontaktgesprächen, so die Erfahrung des Seminarleiters, stelle sich in der Regel heraus, wie selbstbewußt, gut vorbereitet und überzeugend die Teilnehmer agieren würden. "Es gibt keine Tricks, aber es gibt taktische Schritte, die Vorgehen erleichtern. Im Durchschnitt sind 82 Prozent der gesuchten Inter­viewpartner bereit, das gewünschte Gespräch zu führen", sagt er. Noch höher liege diese Quote in Bremen- wofür er jedoch keine ernsthafte Erklärung habe. 

Zum Beweis, dass die ungewöhnliche Art der Stellensuche durchaus vielversprechend ist, hat John Webb die Berichte einiger ehemaliger Teilnehmer auch aus Bremen zusammengestellt: Da ist zum Beispiel der 32jährige Diplom-Psychologe, der nun nach abgeschlossenem Studium bei einem Forschungsprojekt zur "Jugendarbeitslosigkeit" an der Uni Bremen die gewünschte Stelle bekam. Oder da ist die Diplom-Soziologin, die nun in der Personalentwicklung der Stahlwerke Bremen ihre Arbeit aufgenommen hat.

Nach den Erfahrungen von Webb kommen die Teilnehmer an den Seminaren, die seit drei Jahren in Zusammenarbeit mit dem Zentrum für Weiterbildung regelmäßig auch an der Bremer Uni angeboten werden, zu einem Drittel aus dem Kreis der Studenten. Anderer seien typischerweise Menschen mit einer zwei- bis achtjährigen Berufserfahrung. Je bunter der Teilnehmerkreis zusammengewürfelt sei, desto besser laufe die Arbeit im Seminar: "Das Stärken des eigenen Profils geht einfacher, wenn der Stahlbaumeister neben einem Mediziner sitzt", berichtet Webb.

Lutz Rode

 

Weser Kurier
29. Mai 1999