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betreut durch John Webb (L/WP), Axel Culmsee (CSW)

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Wer in Deutschland ein Lehramtsstudium beginnt, rechnet damit, eine Anstellung im öffentlichen Bildungswesen geboten zu bekommen; die Perspektive lautet Staatsdienst. In den letzten Jahren haben Tausende von Lehramtsanwärtern diese Pläne aufgeben müssen. Nicht wenige von ihnen hegen eine Zeit lang noch die heimliche Hoffnung, "aber vielleicht ergibt sich doch noch eine Möglichkeit". Spätestens jedoch, wenn die Benachrichtigung schwarz auf weiß im Briefkasten landet, stellt sich endgültig die Frage: "Wenn nicht Schule, was dann?"

Seit 1995 bietet die Universität Münster mehrmals im Jahr ihren StudentInnen und Ehemaligen Seminare an, die sich auf eine sehr ungewöhnliche Art mit dem Thema Berufsplanung auseinandersetzen. Die zweieinhalbwöchigen Seminare basieren auf dem Life/Work-Planning-Modell des amerikanischen Arbeitswissenschaftlers Richard Nelson Bolles. Teilnehmende lernen ein umfangreiches System, mit dem sie auf äußerst unkonventionelle Art und Weise die für sie relevanten Teil des Arbeitsmarktes durchforsten. Auf Grund der positiven Ergebnisse dieser Seminare bietet auch die Universität Bremen inzwischen solche Seminare an. Bei einem Treffen im Frühjahr arbeiteten GEW-Vertreter mit der Uni Münster ein Projekt aus, um gemeinsam diese Seminare für LehramtsanwärterInnen durchzuführen. Das erste Angebot findet vom 20.10. bis 12.11. statt (nähere Hinweise s. Kasten); das zweite im März 1999.

Wenn nicht Schule, was dann... ?

Perspektiven für Lehramtsanwärter/innen
John Carl Webb

Es gibt nichts, was die Menschen öfters ins Staunen versetzt,
als der konsequente Einsatz des gesunden Menschenverstands,
 und zwar bei der Lösung von Alltagsproblemen.

Mark Twain, 1853

Es ist nicht leicht, den Satz "Meine Qualifikation ist mein Staatsexamen" in Frage zu stellen. Aber andere Qualifikationsmodelle bleiben gänzlich unsichtbar, solange jemand darauf besteht, die Welt durch die "Qualifikation = Lehrer"-Linse zu betrachten. Die hier skizzierten Schritte zeigen ein verläßliches Verfahren auf, das schon in mehreren Ländern von AkademikerInnen Aus unterschiedlichsten Fachrichtungen (auch LehramtsanwärterInnen) erfolgreich umgesetzt worden ist.

Das Life/Work Planning (LWP)-Modell des amerikanischen Arbeitswissenschaftlers Richard Nelson Bolles bietet eine Sichtweise, die viele Stellensuchende als große Unterstützung empfinden. Mr. Bolles hat die Grundbegriffe des klassischen Marketings so adaptiert, dass der einzelne für sich selbst die Frage untersuchen kann: "Was kann ich?" und "Wie bringe mich bei den Organisationen ins Spiel, die das brauchen?"

Die untenstehende Tabelle zeigt die wichtigsten Beziehungen zwischen herkömmlichem Marketing und Bolles Begriffswelt

Klassische
Marketing Begriffe
Bolles'
Begriffe
Das Produkt

Was soll verkauft werden?

Was?

Persönliche Leistung

Der Markt

Wer soll es kaufen?

Wo?

Arbeitgebende Organisation

Die Marketing-Kampagne

Aktivitäten,         
die Kaufgelegenheiten
entstehen lassen.

Wie?

Den Markt vom Angebot
in Kenntnis setzen

Networking


Die Aussage "Wir betrachten die eigenen Fähigkeiten als ein zu verkaufendes Leistungspaket"; klingt zuerst eher plakativ oder gar banal. Für sehr viele Menschen entwickelt sich allein dieses Vorhaben zu einer kaum aus eigenen Kräften zu überwindenden Hürde. Denn will man diese Aussage umsetzen, müßte man sein Leistungspaket benennen und beschreiben können.

Aber die überwältigende Mehrzahl der LehramtsanwärterInnen sieht nicht, dass sie ein Produkt zu bieten hat. Der einzelne begreift sich deswegen nicht als Verkäufer eines Produkts, weil er sich nicht als Inhaber eines Produkts erlebt.

Auf dem Arbeitsmarkt wirkt sich dieses Manko verheerend aus. Ohne die Basiseinsicht, "ich habe etwas wertvolles anzubieten", kommt man nicht auf die Idee, sich der Werkzeuge des Verkäufers zu bedienen. Ohne seine Fähigkeiten als Produkt zu sehen, fängt niemand an, potentielle Märkte für das Produkt auszukundschaften. Ohne Produkt braucht man keine Marketing-Kampagne zu planen.

Das Produkt: was können Lehrer eigentlich?

Je nach Fächerbelegung lautet die erste schnelle Antwort auf diese Frage "ich kann Mathe" oder "ich kann Kindern Bio beibringen". Für Alltagszwecke und Alltagsgespräche taugen solche Formulierungen allemal. Wenn es darum geht, konzeptionell die eigene Zukunft zu gestalten, dann ist es schon von Vorteil, Genaueres sagen zu können. Bolles LWP-Verfahren arbeitet mit den Begriffen, die einem zu sich oder über sich einfallen. Es wird immer wieder die Frage gestellt, "Was meinst du denn konkret mit dem, was du sagst?"

Um diese Art von Fähigkeitsanalyse nachzuvollziehen, ist ein Vergleich mit der Analyse eines Kunststoffs unterm Labormikroskop nützlich. Mit dem bloßen menschlichen Auge sieht man lediglich die glatte Kunststoffoberfläche. Bei 1000-maliger Vergrößerung erkennt man schon mehr Details. Die 100 000er Vergrößerung zeigt die ineinander geflochtenen Makromoleküle und bei weiteren Stufen kann man auch die einzelnen Moleküle sehen.

Die sprachliche Analyse der eigenen Fähigkeiten lässt eine ähnlich geartete Vergrößerungsreihe zu. Die glatte Fläche des Begriffs "Unterrichten" setzt sich aus kleineren Fähigkeiten zusammen, wie zum Beispiel "Lehrstunde vorbereiten" und "Lehrstoff präsentieren". Und auch diese Begriffe können in ihre jeweiligen Einzelteile zerlegt werden. Wer Lehrstoff präsentiert, muss "Zuhörer beobachten" und "deutlich sprechen" und seinen Stoff für den jeweiligen Zuhörerkreis "didaktisch aufbereiten".

Am Anfang klingt es oft so, als betreibe man nur begriffliche Haarspalterei. Aber wer seine eigene Biografie oder Erfolgserlebnisse konsequent untersucht, stellt nach kurzer Zeit fest, dass er bestimmte Fähigkeits-Bestandteile immer wieder verwendet. In dem Moment des Erkennens vollzieht sich eine grundsätzliche Wandlung.

Man merkt, dass man zwar schon vorher etwas gewusst hat, aber erst jetzt in der Lage ist, dies explizit zu formulieren. Als wenn man es vorher gewusst hätte, ohne zu wissen, dass man es wusste. "Aha!" sagt man dann, "das, was ich anbieten kann, heißt so und so." Die Analyse lässt Teile sichtbar werden und erzielt damit drei wichtige Ergebnisse:

Erstens: Die Person hat nicht mehr nur das vage Gefühl, "ich denke, ich kann schon was", sondern hat jetzt eine Liste von Fähigkeiten, von denen sie weiß: Ich kann A und B und C." Allein für sich genommen, bringt dieser Aspekt schon eine spürbare Stärkung des Selbstwert-Gefühls. Aber der Hauptvorteil dieser Sichtweise liegt in der Kombinierbarkeit der Komponenten. Die Fähigkeitsteile lassen sich vielfältigste Art miteinander komponieren und bilden somit eine Art Grundqualifizierung für die unterschiedlichsten beruflichen Anforderungen.

Zweitens: Fähigkeiten werden dadurch in einer Form "kommunizierbar", wie Arbeitgeber sie schnell verstehen können. In dem Moment, wo es für einen Arbeitgeber darum geht, die Frage zu beantworten, "was könnte dieser Mensch für uns tun?" sind Sätze von der Sorte, "na ja, ich bin Lehrer", einfach nicht hilfreich. Sie überlassen der Arbeit gebenden Seit die ganze oft ungeliebte Denkarbeit.

Drittens: Die Kommunizierbarkeit ist zwingende Voraussetzung dafür, dass andere Leute gezielt bei der Suche weiterhelfen können. Wenn eine ehemalige Referendarin sagt: "Ich suche etwas im Bildungsbereich", dann muss man sehr nachhaken, bevor man Vorschläge machen kann. Es ist wesentlich leichter, wenn die Kollegin genau die Art von Aufgabe beschreiben kann, die sie mit Begeisterung ausführt.

Wo will ich mich einbringen? Interesse ergibt Marktsegment

Fähigkeiten sind die eine Seite der Zielvorstellungs-Medaille, sie beschreiben das Was? oder die Leistung, die angeboten wird. Das dazu passende Gegenstück heißt Wo? im Sinne von "In welcher Organisation oder für welche Klientel sollte diese Leistung erbracht werden?" Zur Überraschung vieler Suchender erfolgt die Klärung dieser Frage zuerst einmal ohne das Hinüberschauen zum Arbeitsmarkt, und zwar aus folgender Überlegung:

Letzten Endes hängt der Sucherfolg davon ab, dass jemand aktiv bleibt. Für die meisten Suchenden jedoch ist "aktiv bleiben" nur dann realistisch, wenn das, was sie anstreben, für sie wirklich interessant ist. "Wirklich interessant" heißt hier nicht, "von allen miesen Möglichkeiten, die ich sehe, ist dies die Möglichkeit, die am wenigsten mies aussieht", sondern "dies ist ein Bereich, von dem ich weiß, dass ich mich damit identifizieren kann." Die Auseinandersetzung mit den eigenen Interessen ist die Bestimmung der eigenen strategischen Richtung.

Die Frage lautet daher: "Welche Bereiche interessieren mich wirklich?" Viele Leute meinen, dies müsste eigentlich eine Frage sein, die recht leicht für erwachsene Menschen zu beantworten sei. Stellensuchende merken aber oft, dass zwei Faktoren ihnen hier im Wege stehen.

Der erste ist die Neigung zur bequemen sprachlichen Ungenauigkeit, ähnlich wie bei der Fähigkeitsanalyse oben. Man sagt: "Ich interessiere mich für Computer" und vergißt dabei, wie groß die Computerwelt ist: Von den schnellredenden Fliegeträgern, die schnieke Laptops in schicken Galerien verkaufen, bis hin zu den Turnschuh- und T-Shirt-Kumpeln, die sich in neonbeleuchteten Werkstätten mit reparaturbedürftigen PCs herumplagen. Ähnliche Fälle gibt es in Domänen wie Kultur oder Medien, Gesundheit oder Bildung. Solche Begriffe sind keineswegs falsch, sie sind nur so groß, dass man Jahre dafür bräuchte, sie als Domäne systematisch zu untersuchen.

Der andere Problemfaktor bei der Bereichserklärung hängt mit der Art zusammen, wie (nicht nur) Stellensuchende denken. Das Problem ist, sie denken so verdammt schnell. Man sagt "ich finde Theater interessant", und noch bevor der Satz verlungen ist, taucht der Schauspieler als Berufsbild im Kopf auf. Man sagt "Gesundheit fasziniert mich" und schon erscheint gedanklich der Arzt. Das Gehirn springt von einem bestimmten Interessenbereich hin zu einer ganz bestimmten Tätigkeit bzw. Berufsbild und merkt nicht mal, dass gesprungen wurde.

Wenn man dabei ist, eine berufliche Perspektive für sich zu suchen und man weiß, "ich habe keine formale Bildung als Schauspieler oder Arzt", dann ist es nur schwer möglich, angstfrei solche Sätze auszusprechen, wie "ich interessiere mich für Theater". Es meldet sich eine eher ängstliche innere Stimme, die einem dann zuflüstert: "Wenn du jetzt Theater sagst, dann werden Leute von dir erwarten, dass du auch Schauspieler wirst!" oder "Wenn du jetzt Gesundheit sagst, dann musst du auch Arzt werden."

Solche Sätze würden bedeuten, dass man entweder eine zusätzliche Ausbildung oder ein Studium anfängt (das wollen die meisten nicht) oder sich ohne Qualifikation bewirbt (was völlig angstbesetzt ist und als sowieso hoffnungslos angesehen wird). Statt all dies zu sagen, sagen viele, "na ja, so leidenschaftlich interessiere ich mich fürs Theater eigentlich doch nicht" und merken nicht dabei, dass diese ablehnende Reaktion sich auf die Vorstellung einer Tätigkeit bzw. eines Berufsbildes bezieht und nicht auf den realen Bereich. Das Interesse für den Bereich ist real und zuverlässig.

Das heißt, normales Denken durchläuft hier die Situationen:

   1.Welche Bereiche interessieren mich?

   2.Ich mag Theater.

   3.Theater heißt aber Schauspieler sein.

   4.Ich habe aber keine Qualifikation als Schauspieler.

   5.Ich will auch keine solche Qualifikation erwerben.

   6.Ich will mich auch nicht unqualifiziert bewerben.

   7.Vielleicht mag ich Theater doch nicht so sehr.

Dieses Denken vergißt all die Stellen, die zwar im Theatermilieu angesiedelt sind, aber sonst gar nichts mit Schauspielerei zu tun haben. Unsichtbar bleiben all die Buchhalter, Werbungsleute, Marketing-Menschen und Techniker, die notwendig sind, um ein Theater aufrecht zu halten. Mit diesem Denken kommt man nicht dazu, die Frage zu stellen: "Wer in meinem Bereich (hier zum Beispiel Theater) bringt Nützliches dadurch zustande, dass er die Fähigkeiten verwendet, die ich besitze?" Aber es ist genau diese Frage, die viele Überraschungen erst sichtbar werden lässt.

Aus diesem Grunde besteht Bolles Modell auf der rigorosen anfänglichen Trennung zwischen Was? und Wo?, zwischen Tun und dem Bereich, wo Tun sich entfaltet. Wer ehrlich bleiben möchte, gesteht, dass er eben nicht weiß, welche Möglichkeiten für ihn in seinem Zielbereich bestehen. Dieses Nichtwissen bildet auch die Basis für den dritten Schwerpunkt Wie?

Wie? bekomme ich Was? und Wo? unter einen Hut?

Die anschließende Marketing-Kampagne basiert auf den Ergebnissen aus den Was?- und Wo?-Teilen des Verfahrens. Man macht sich auf die Suche nach Berufstätigen, die genau die Fähigkeiten verwenden, die man jetzt auch bei sich selbst sieht. Gesucht wird nicht überall, sondern nur in den Sektoren, die man selbst wirklich interessant findet.

Es gibt keine Tricks dabei, aber es gibt schon taktische Schritte, die das Vorgehen sehr erleichtern. Wer die von Bolles angebotenen Gesprächsführungs- bzw. Fragetechniken anwendet, stellt bald zufrieden fest, dass 82% seiner gesuchten Interview-Partner bereit sind, das gewünschte Gespräch mit ihm zu führen.

Diese Gespräche sind keine Vorstellungsgespräche; man verschafft sich zuerst eine besondere Art von Überblick über den angepeilten Bereich. Das Besondere dabei ist, man redet mit den Menschen, die genau das machen, was man sich auch für sich vorstellt. Zusammen betrachtet, gewähren diese Gespräche einen Zusammenhang zu erlebter (im Gegensatz zu offizieller) Wirklichkeit.

Die offizielle Wirklichkeit lautet: "Partizipativer Führungsstil". Erlebte Wirklichkeit sagt: "Wer aufmuckt, fliegt." Offiziell heißt es: "Menschliches Kapital ist unser teuerstes Gut." Erlebt wird eine Fluktuationsrate von 30%.

Ohne Wissen dieser Art kann man keine wirklich fundierte Entscheidung für einen Bereich treffen und ist zudem kein ernst zu nehmender Gesprächspartner für die operativ Verantwortlichen, die die Einstellungsentscheidungen treffen. Erst mit diesem Wissen hat man die Möglichkeit, seine Fähigkeiten mit den realen Bedürfnissen des Unternehmens zu vergleichen. Erst aus einem solchen Vergleich können authentische Vorschläge bezüglich des eigenen Einsatzes formuliert werden.

Was auf Papier so kompliziert klingt, ist in der Umsetzung oft wesentlich einfacher. Man besucht 20 Bildungsinstitute und stellt dabei fest, dass niemand mit dem hauseigenen Computersystem zufrieden ist. Man führt Gespräche in 15 Reiseagenturen, und 13 Gesprächspartner klagen darüber, wie schwierig sich die Kommunikation mit den Fluggesellschaften gestaltet. Gespräche dieser Art decken alles auf, was so schlecht funktioniert, dass Mitarbeiter sich ärgern. Jedes dysfunktionale System ist eine noch nicht ausgeschriebene Stelle, die darauf wartet, ausgeschrieben zu werden.

Der persönliche Arbeitsmarkt

In den letzten Jahren hat es viele Programme gegeben, die sich zum Ziel gesetzt haben, AkademikerInnen eine Perspektive aufzuzeigen. Als Absicherung gegen Arbeitslosigkeit bieten solche Programme häufig eine schon zu Ende gedachte Zielqualifikation an, von der der Programmveranstalter meint, es gäbe künftig hierfür Bedarf. "Sie können Personalentwickler oder Kulturmanagerin werden."

Immer wieder jedoch zeigt sich, dass Menschen nicht sonderlich gut darin sind, die künftigen Bedürfnisse des Arbeitsmarkts vorherzusagen. Darüber hinaus stellen sich viele Akademiker die Frage: Was hat dieses Programm oder diese Qualifiktion mit mir zu tun? Wo werden hierbei meine Talente und meine Neigungen berücksichtigt?

Im Rahmen der Arbeit mit Bolles LWP-Modell vollzieht die einzelne Person einige höchst politische Schritte. Man sieht, dass die Arbeitswelt nicht so ordentlich abläuft, wie es die Organisations-Lehrbücher suggerieren. Man begreift, dass es in jedem Unternehmen und in jeder Behörde "Schmuddelecken" gibt. Die Grenzen des Arbeitsmarkts werden nicht mehr durch Zeitungsannoncen oder Arbeitsämter definiert, sondern durch die Fähigkeiten, die Interessen und die Initiative der suchenden Person.

Um auf diesem so undurchsichtigen Arbeitsmarkt effektiv zu agieren, werden heutige und künftige Berufstätige viel zu lernen haben. Unter den wichtigsten Lektionen dabei werden sein:

Wie bestimme ich meine eigenen Fähigkeiten?

Wie präsentiere ich diese einem Arbeitgeber?

Wie kläre ich die Bereiche, die mich interessieren?

Wie gehe ich in meinen Zielbereichen systematisch vor?

Zur zeit werden weder Berufstätige in den Betrieben noch Studierende in den Hochschulen oder Heranwachsende in den Schulen adäquat auf den Umgang mit diesen Fragen vorbereitet. Jeder Lehramtsanwärter hat aber gelernt, Informationen so auszuwählen und aufzubereiten, dass Lernwillige sie leichter aufnehmen können. Wer sollte eher dazu in der Lage sein, neue Sichtweisen und neues Wissen durch die Bevölkerung zu tragen, als diejenigen, die schon das Lehren studiert haben?

Literatur:

Bolles, Richard N., What Color Is Your Parachute?, Ten Speed Press, California, USA, 2002.

Porot, Daniel, La P.I.E.: Une méthode nouvelle de recherche d'emploi, Les Editions d'Organisation, Paris, France, 1992.

Porot, Daniel, The P.I.E. Method (American translation), JIST Publishing, Indianapolis, Indiana, 1996.

Kontaktaufnahme:

Westfälische Wilhelms-Universität, Arbeitsstelle Wissenschaftliche Weiterbildung, Diplom-Volkswirt Klaus Pott, Schloßplatz 2, 48149 Münster, Telefon und Telefax: (02 51) 8 32-47 62

 

neue deutsche schule
nds
September 1998

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